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Mit der Bahn von Madrid nach Tanger? In Zukunft vielleicht kein Problem. Die Planungen für den Bau eines Eisenbahntunnels zwischen Spanien und Marokko sind abgeschlossen. Ein Vierteljahrhundert nachdem die Idee der Landverbindung zwischen Europa und Afrika erstmals verhandelt wurde, muss nun die Politik den Startschuss für den Tunnelbau geben.

"Der Bau des Kanals unter dem Ärmelkanal war ein Kinderspiel gegenüber dem, was wir jetzt vorhaben." Giovanni Lombardi weiß, wovon er spricht. Der bereits 81jährige Schweizer war maßgeblich am Bau des 1994 fertig gestellten "Eurotunnels" beteiligt. Heute ist der Ingenieur Leiter des spanisch-marokkanischen Planungsstabes für ein noch gewaltigeres Projekt: den Bau eines Eisenbahntunnels in der Straße von Gibraltar.

Nach einem Vierteljahrhundert ergebnisloser Gespräche, Planungen und Verhandlungen zwischen Spanien und Marokko könnte das "Jahrtausendprojekt" nun in Angriff genommen werden. Gemäß spanischen Medienberichten hat Lombardis Team den Verkehrsministern beider Länder in dieser Woche einen positiven Machbarkeitsbericht überreicht, wenngleich sich die Umsetzung des Projekts "an der Grenze des technisch Möglichen" befände. 

Fast 30 Millionen Euro für die Routenfindung

Dabei soll der geplante Tunnel mit knapp 40 Kilometern Länge sogar rund zehn Kilometer kürzer geraten als sein technologisches Vorbild zwischen England und Frankreich. Wie der "Eurotunnel" soll auch der "Gibraltartunnel" aus zwei Hauptröhren und einer Versorgungsröhre bestehen. Die Schwierigkeiten lägen hingegen in den enormen Tiefen des Mittelmeeres beziehungsweise der Straße von Gibraltar, die der Tunnel eines Tages einmal unterqueren soll.

So wurden in den letzten drei Jahren gemeinsam von Spanien und Marokko fast 30 Millionen Euro ausgegeben, nur um eine geeignete Route durch die an ihrer engsten Stelle 14 Kilometer breite Meerenge zu finden.

Denn dort, wo die Straße von Gibraltar am engsten ist - südlich des spanischen Ortes Canales - ist sie mit 900 Metern auch fast am tiefsten. Das ist auch für die erfahrensten Tunnelgräber zu viel. Der Ärmelkanaltunnel konnte in durchschnittlich nur 40 Meter Tiefe errichtet werden.

Lombardis Planungsstab hat jedoch eine mögliche Lösung gefunden. Wenn der Tunnel westwärts verschoben würde, müsste er zwar etwas länger ausfallen, könnte jedoch in geringerer Tiefe den Meersboden durchpflügen. Die geeignete Stelle hierfür läge rund 40 Kilometer westlich von Gibraltar bei Punta Paloma. Auf marokkanischer Seite soll der Tunnel in der Nähe von Tanger beim Kap Malabata wieder das Tageslicht erblicken. Zwischen diesen beiden Tunnelenden wäre die Straße von Gibraltar "nur" 300 Meter tief.

Ungelöste Kostenfrage

Technisch scheint nun alles gelöst. Die geeignete Route ist gefunden. Jetzt muss die Politik entscheiden. Die war gegenüber dem geschichtsträchtigen Projekt sowohl auf spanischer wie auf marokkanischer Seite immer recht aufgeschlossen. Politiker gehen bekanntermaßen gerne in die Geschichtsbücher ein. Die voraussichtliche Bauzeit von mindestens 15 Jahren und die Kosten von veranschlagten 13 Milliarden Euro schrecken jedoch auch visionäre Politiker erstmal ab - zumal keineswegs klar ist, wie die Mammut-Investition jemals wieder hereinkommen soll.

Auch optimistische Schätzungen anhand des derzeitigen Fährverkehrs zwischen den beiden Ländern gehen von höchsten 8 Millionen möglichen Benutzern des Gibraltartunnels pro Jahr aus. Die nur etwas geringere Anzahl von Eurotunnel-Passagieren reicht bis zum heutigen Tage nicht aus, die Gesellschafter des Projekts von ihren Schulden zu befreien.

Carsten Wollenweber (01.02.2007)