Gesund für zwei essen
Dass eine ausgewogene Ernährung von Kindern auch eine Frage des Geldbeutels sein kann, ist bekannt. Das gilt sogar für noch ungeborene Kinder. In Großbritannien soll nun ein Ernährungsscheck schwangeren Frauen zu kräftigem Nachwuchs verhelfen.
Genau daran mangelt es nämlich in England und Wales, den beiden Teilen des Königreichs, in denen die Anfang September vom Kabinett Gordon Browns beschlossene Einmalzahlung für werdende Mütter eingeführt werden soll. Eines von zwölf Neugeborenen - behauptet die Regierung und berichtet der Independent - soll dort untergewichtig beziehungsweise unterernährt zur Welt kommen, weil die Mütter, insbesondere in der Schwangerschaftsendphase ab dem siebten Monat, nicht ausreichend Obst und Gemüse zu sich nähmen.
Daher soll der Essensscheck von 120 britischen Pfund, etwa 180 Euro, ab 2009 allen Frauen zugute kommen, die die 25. Schwangerschaftswoche erreicht haben und bei ihrem Hausarzt einen Antrag auf die Unterstützungsmaßnahme stellen.
So soll nicht nur das Gewicht der Kinder erhöht, sondern auch eine Reihe von Folgekrankheiten - wie Diabetes, Herz- und Lungenproblemen sowie Lernschwäche - im Frühstadium bekämpft werden.
"Wahllose Verschwendung von Steuergeldern"
Ein "Witz" sei das Ganze, behauptet hingegen die Opposition. Würden alle 630.000 Frauen, die jährlich in den beiden Landesteilen Babies zur Welt bringen, unabhängig von ihrer Bedürftigkeit den Antrag auf Essensgeld stellen, würde die Maßnahme sogar mehr als die bereits bewilligten 70 Millionen Pfund pro Jahr kosten, eine Ausgabe - die gemäß den Konservativen und Liberaldemokraten im Londoner Unterhaus in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen stehe.
"Die Sache riecht nach dem typischen New-Labour-Trick, wonach ernsthafte soziale Probleme dadurch 'gelöst' werden, dass man wahllos Steuergelder auf sie schüttet", kommentierte Norman Lamb von den Libdems.
Das Gesundheitsministerium verteidigte jedoch die Maßnahme, indem es darauf hinwies, dass die Zahlung nur im Rahmen einer Beratung erfolgt, in der die Schwangeren auf die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung, insbesondere ab der 25. Schwangerschaftswoche, hingewiesen werden und in der ausdrücklich davor gewarnt wird, während dieser Zeit Alkohol zu trinken oder zu rauchen.
Dafür dass alle, manchmal noch sehr jungen, werdenden Mütter - Großbritannien hält den Europarekord bei Teenager-Schwangerschaften - ihre 120 Pfund dann auch wirklich für Obst und Gemüse und nicht für Alkohol und Zigaretten ausgeben, könne die Regierung natürlich keine Garantie übernehmen. Gesunde Ernährung ist nun mal nicht nur eine Frage des Geldbeutels.
Carsten Wollenweber (25.09.2007)