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baguette_150.jpgTeures Weißbrot - Ein-Euro-Baguette sorgt für Unmut in Frankreich


Preisschraube bei Lebensmitteln. Während in Deutschland vorwiegend über die Verteuerung von Milchprodukten geklagt wird, sorgen sich die Franzosen vor allem um eines - um ihre Baguettes. Diese dürften, wenn die Ankündigungen des Verbandes der französischen Bäckereien, 5 Cent mehr für die Weißbrotstange zu verlangen, wahr gemacht werden, demnächst in den meisten Städten erstmals mehr als einen Euro pro Stück kosten.

Die öffentlichen Proteste, die die Ankündigung ausgelöst hat - sogar Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hat die Hersteller zu Mäßigung aufgerufen - sind vergleichbar mit den Diskussionen, die gemeinhin Veränderungen des Benzinpreises begleiten. Die Angebotsseite behauptet, durch höhere Rohstoffkosten - sei es nun Erdöl oder Getreide - zur Preissteigerung gezwungen zu sein, während die Verbraucher regelmäßig darauf hinweisen, dass diese Logik offenbar immer nur zu Preiserhöhungen, bei einer Verbilligung der Rohstoffe aber selten zu Preissenkungen führe.

Außerdem seien die Preissteigerungen für das Endprodukt meist deutlich höher als zuvor für den Rohstoff, weswegen die Argumente der Hersteller oftmals als fadenscheinig abgetan werden - offenbar auch von Lagarde. Die als wirtschaftsliberal geltende Ministerin sah sich in diesen Tagen veranlasst, die französische Generaldirektion für Wettbewerb und Betrugsbekämpfung zu beauftragen, dafür zu sorgen, dass die Baguettepreise nicht stärker steigen als die Rohstoffkosten der Bäckereien.

Brioche statt Baguette

Weder der Hinweis, dass die Brotpreise in Frankreich seit 1978 frei seien, noch die glaubhafte Versicherung der Bäcker, dass sich der Mehlpreis während des letzten Jahres fast verdoppelt hätte, während das Baguette doch nur um etwa 8 Prozent teurer werde, überzeugten Sarkozys Superministerin. "Das Mehl steht nur für 5 Prozent der Herstellungskosten", behauptet sie. Die Preiserhöhung sei daher zu hoch gegriffen.

Trotz der ministeriellen Empörung und Rechenkünste dürfte sich die Entscheidung des Bäckerverbandes kaum mehr rückgängig machen lassen. Das Ein-Euro-Baguette wird kommen. Die Wirtschaftsministerin konnte sich derweil als Verbraucherschutzministerin profilieren und Druck von ihrer Regierung nehmen. Denn dass der Brotpreis in Frankreich sogar zum Köpferollen führen kann, ist seit der Französischen Revolution bestens bekannt. Damals soll Königsgattin Marie-Antoinette die hungernden Massen mit den berühmten Worten "Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Brioche essen" empört haben.

Der Ausspruch wurde vom Volk mit der Guillotine beantwortet. Nachfolgende Politikergenerationen haben offenbar aus Marie-Antoinettes Faux-pas ihre Lehre gezogen: Der Markt ist frei, solange es den Franzosen nicht ans Baguette geht.

Carsten Wollenweber (29.08.2007)