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baerenfell.jpgBärendienst für britische Palastwache


Das Spektakel ist ein Muss für jeden London-Besucher. Der 45minütige Wachwechsel der königlichen Garde im Vorhof des Buckingham Palace zieht Jahr für Jahr zigtausende von Besuchern in den Bann. Tierschützer finden an der Liturgie jedoch wenig Gefallen. Grund: die Kopfbedeckung der Grenadier Guards wird aus dem Pelz des kanadischen Schwarzbären gefertigt.

Zwei Bären müssen für jede Mütze das Zeitliche segnen. Zuvor verbringen sie teilweise bis zu drei Tagen in Bärenfallen. Noch schlechter ergeht es zahlreichen der riesigen Säugetiere, die in freier Wildbahn angeschossen werden, flüchten und erst nach schwerem Überlebenskampf elendig umkommen. Gemäß dem Umweltministerium des kanadischen Bundesstaates Ontario wird jeder siebte gejagte Bär nicht sofort getötet, sondern stirbt später an seinen Verletzungen, ohne dass sein Fell überhaupt jemals zu Markte getragen wird.

Tausend Euro pro Mütze

Dieser Markt ist zumindest für die Jäger durchaus lukrativ. Die Königliche Garde zahlt rund 1000 Euro für jedes Exemplar ihrer typischen Kopfbedeckung. Jahr für Jahr wird der Bestand um etwa 200 Fellmützen aufgestockt. Ein guter Teil des Mützenpreises fließt in die Taschen der kanadischen Großwildjäger - noch, denn nach eigenen Angaben bemüht sich die britische Armee händeringend darum, alternative Materialien für die Helme eines ihrer traditionsbewusstesten Regimenter auszumachen.

In Zusammenarbeit mit das Problem seit Jahren anprangernden Tierschutzorganisationen wurden bereits einige synthetische Lösungen entwickelt, deren einziger Erfolg jedoch darin bestanden hätte, die ohnehin schon Schmunzeln hervorrufenden Hüte endgültig der Lächerlichkeit preiszugeben. So hätte sich eine Kunstoff-Fellmütze während eines Feldversuchs unter nicht seltenem Londoner Regen derartig mit Wasser vollgesogen, dass sie für ihren Träger zum untragbaren Gewicht wurde.

Sonnen- und regentauglich

Doch auch die bei Sonnenschein erzielten Ergebnisse befriedigten die militärischen Kleidermeister nicht. Gemäß einem Sprecher der Brigade of Guards hätten die alternativen Mützen "im Sonnenlicht rot ausgesehen".

Es scheint also gar nicht leicht zu sein, bärenfreundlichen Ersatz für die im Volksmund "busby" genannte Kopfbedeckung zu finden. Neben der Regenfestigkeit besteht die technologische Herausforderung darin, den Helmträger zu wärmen, ohne ihn schwitzen zu lassen. Dabei müssen die Fellmützen auch noch einen natürlichen Glanz bewahren, welcher der Erhabenheit der Anlässe ihres Tragens gerecht wird.

PETAs Petition

Andrew Butler von der Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) mag sich damit jedoch gar nicht abfinden: "Die britischen Streitkräfte benutzen atombetriebene U-Boote und satellitengesteuerte Raketen. Kann es möglich sein, dass sie nicht in der Lage sind, ein synthetisches Bärenfell herzustellen?"

Solange dies nicht möglich ist, dürfen sich Erfinder aufgerufen fühlen, ihre Vorschläge an das britische Verteidigungsministerium zu schicken. Wer hingegen der Ansicht ist, dass in Ermangelung an Alternativen die Bärenfelldeckel einfach abzulegen sind, kann sich an einer gleichlautenden Online-Petition der Tierschutzorganisation PETA beteiligen.

Carsten Wollenweber (Oktober 2006)

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