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gatti-in-carcere_150.jpgPelzimporte: EU schützt Hunde und Katzen


Tier- und Verbraucherschutz liegen meist eng beisammen. Kaum ein europäischer Konsument würde eine Winterjacke kaufen, die Hunde- oder Katzenpelz enthält. Wenn er es denn wüsste... Ein totales Handelsverbot soll nun dafür sorgen, dass die vor allem in China hergestellte Haustierware nicht auf den europäischen Markt gelangt. In dieser Woche segnete der Rat der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel einen entsprechenden Verordnungsvorschlag der EU-Kommission ab.

"Felis catus" steht auf dem Etikett des schicken Anoraks, den Lieschen Müller gerade auf einem Straßenmarkt in Süddeutschland begutachtet. "Wird schon nichts Schlimmes sein, wahrscheinlich irgendwas Synthetisches", denkt sich Frau Müller und greift zum Geldbeutel. Was die Kundin nicht weiß, ist, dass "Felis catus" nichts anderes als der lateinische Name für Hauskatze ist und dass der Pelzbesatz ihrer neuen Winterjacke von einer Katzenfarm in Nordchina stammt.

Solche einfachen Tricks reichen vielen Herstellern, um in Europa mit eigentlich unverkäuflicher Ware Millionen zu verdienen. "Diese Art von Pelz wird üblicherweise für Spielsachen und als Futter für Kleidung verwendet und muss nicht einmal voll deklariert werden", warnte der zuständige EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Marcos Kyprianou, bereits vor knapp zwei Jahren, als das nun vom Ministerrat verabschiedete Einfuhrverbot für Haustierfelle auf den langen Instanzenweg gebracht wurde.

Kleidung, Spielzeug, Rheumadecken

Allerdings sah Brüssels oberster Verbraucherschützer damals noch die einzelnen Mitgliedstaaten in der Pflicht, gegen den Fellimport aus Fernost vorzugehen. Die Materie galt als zu kompliziert, weil die Millionen von Fellprodukte, die jedes Jahr in die EU gelangen, schwerlich auf ihre Beschaffenheit hin geprüft werden können. Einige EU-Mitgliedsländer gaben dem Druck von Tierschutzverbänden jedoch nach und erließen einzelstaatliche Regelungen, die der Verarbeitung von Europas liebsten Haustieren zu Pelzprodukten einen Riegel vorschieben sollten. Italien verabschiedete im Jahr 2003 sogar bereits ein totales Einfuhrverbot für Hunde- und Katzenfellprodukte.

Andere Länder beließen es bei Schlachtverboten für Katzen und Hunde oder bei Kennzeichnungsanforderungen für verdächtige Importprodukte, zu denen nach Angaben der EU-Kommission neben Kleidung und Spielzeug auch Rheumadecken zu zählen wären.

Suche nach besten Testverfahren

So viel nationale Eigenständigkeit rief dann aber wieder Brüssel auf den Plan. Die zahlreichen einzelstaatlichen Unterschiede in der Gesetzgebung "können möglicherweise Verbrauchern, Einzelhändlern und Großhändlern Schwierigkeiten bereiten, die grenzüberschreitende Transaktionen mit anderen Fellarten vornehmen", hieß es in einer Mitteilung, mit der die EU-Kommission im Herbst vergangenen Jahres ihren Verordnungsvorschlag begründete.

Verbraucherschutzkommissar Kyprianou war und ist sich durchaus bewusst, dass sein Verbotsvorschlag für Katzen- und Hundefelle nur sinnvoll ist, wenn es eindeutig gelingt, die entsprechenden Importe zu identifizieren, auch wenn das Katzen- und Hundefell behandelt oder gefärbt worden ist. Hierzu seien in einigen Mitgliedstaaten bereits Methoden wie Massenspektrometrie und DNS-Tests entwickelt worden. Um diese Testverfahren zu verbessern und kostengünstiger zu gestalten, schlägt Kyprianou den Mitgliedstaaten ebenfalls vor, regelmäßig Informationen über die besten Nachweismethoden auszutauschen.

Haustierpelzfarmen auch in Europa?

Ferner verbietet der Brüsseler Verordnungsvorschlag nicht nur Ein- und Ausfuhr von Hunde- und Katzenfellen, sondern auch den Handel mit ihnen innerhalb der Europäischen Union. "Da es in der EU nicht üblich ist, Katzen- und Hundefelle zu produzieren", geht die Kommission zwar davon aus, "dass Importe aus Drittländern (insbesondere aus asiatischen Ländern) die Ausgangsbasis für derartige Felle sind". Allerdings sind immer wieder Stimmen zu hören, die behaupten, dass es - obwohl es "nicht üblich" wäre - in der EU durchaus Betriebe gäbe, in denen Katzen und Hunde nur für ihr Fell gezüchtet und zu Tode gebracht würden.

Ob die künftige Verordnung auch das Fell einiger europäischer Hunde und Katzen retten wird oder nicht, eines ist in jedem Fall klar: Wenn auch das Europaparlament den Kommissionsvorschlag wie erwartet abschließend annimmt und die Regelung Ende 2008 in Kraft treten kann, wird dies eine gute Nachricht für alle Hunde, Katzen und tierliebenden Verbraucher und nicht nur für den Felis catus in China sein.

Carsten Wollenweber (27.11.2007)
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