Falsche Euros - EU will Banken in die Pflicht nehmen
Wenn sie nicht erwischt werden, scheint sich auch das Fälschen von Hartgeld für Kriminelle zu lohnen. Wurden 2002, im ersten Jahr des Euro, kaum mehr als 2.000 falsche Euromünzen sichergestellt, waren es im letzten Jahr bereits 164.000. Nun will die EU-Kommission die Banken verpflichten, Einzahlungen auf ihre Echtheit zu überprüfen.
Europas Gemeinschaftswährung wird bei Fälschern immer beliebter: wie die EU-Kommission bekannt gibt, wurden im Jahr 2006 fast 164.000 gefälschte Münzen aus dem Verkehr gezogen. Dies bedeutet eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als gut 100.000 falsche Münzen aus dem Umlauf genommen wurden.
Im ersten Jahr nach der Euro-Einführung wurden hingegen nur 2.339 Falschmünzen entdeckt.
Kaum falsche Fuffziger
Es überrscht nicht, dass die am häufigsten gefälschte Münze diejenige ist, bei der es sich am meisten lohnt, nämlich das Zwei-Euro-Stück. Kleinere Beträge scheinen hingegen kaum nachgemacht zu werden. So wurden im letzten Jahr etwas mehr als 8.000 falsche 50-Cent-Stücke und gut 14.000 Ein-Euro-Münzen aus dem Verkehr gezogen. Die Zahl der gefälschten Zwei-Euro-Stücke betrug hingegen mehr als 140.000 und damit fast 90 Prozent aller Falschgeldmünzen.
Die meisten dieser Münzen waren deutsche Zwei-Euro-Stücke. Dies verwundert nicht, wenn es als normal betrachtet wird, dass die am meisten umlaufenden Münzen auch am meisten gefälscht werden.
Insgesamt sieht die Kommission keinen Grund zur Beunruhigung wegen der zunehmenden Münzfälschung. Angesichts der rund 69 Milliarden echter Münzen im Umlauf, sei die Anzahl der sichergestellten Fälschungen gemäß Brüssel sehr gering. Allerdings seien die nachgeahmten Münzen von zunehmend besserer Qualität. Insbesondere die gefälschten Zwei-Euro-Münzen seien bei Bargeschäften von Hand zu Hand mitunter nur schwer von den echten zu unterscheiden.
Positiver Trend bei "Blüten"
Nach wie vor sei die Zahl der im Umlauf entdeckten Fälschungen jedoch weitaus geringer als die Gesamtzahl der Falschmünzen der nationalen Währungen vor der Einführung des Euro. Und das eigentliche Problem der Ermittlungsbehörden sind ohnehin nicht die falschen Münzen, sondern die falschen Scheine: von denen wurden im Vorjahr fast 565.000 aus dem Umlauf genommen. Bei den "Blüten" lässt sich aber immerhin ein positiver Trend feststellen. Im Vergleich zu 2005 ging die Zahl der sicher gestellten falschen Banknoten um 15.000 zurück.
Um weitere Erfolge vermelden zu können, will die EU-Kommission nun die Banken stärker bei der Falschgeldbekämpfung in die Pflicht nehmen. Einem in dieser Woche vom für die Betrugsbekämpfung zuständigen EU-Kommissar Siim Kallas vorgebrachten Vorschlag zufolge, sollen Banken und ähnliche Einrichtungen verpflichtet werden, die Echtheit von Euro-Banknoten und -Münzen zu prüfen, bevor sie diese wieder in Umlauf bringen.
Es gäbe - so heißt es in einer Pressemitteilung der Brüsseler Kommission - "anerkannte einheitliche und effiziente Methoden" zur Erkennung von Fälschungen, so dass eine Überprüfung ohne Weiteres möglich sei. Die Banken bräuchten dafür nur entsprechend eingestellte Sortiergeräte, die sowohl echte als auch gefälschte Banknoten bzw. Münzen enthalten. Damit den Instituten die für die Echtheitsprüfung und die Einstellung dieser Maschinen erforderlichen gefälschten Banknoten bzw. Münzen zur Verfügung stehen, schlägt die Kommission erstmals vor, den Transport sichergestellten Falschgelds zwischen den zuständigen Stellen zu erlauben.
Carsten Wollenweber (18.09.2007)
Foto: EU-Kommission