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baby_inglese.jpg"Tendenz zur Delinquenz"


Bei der Verbrechensbekämpfung wird immer mehr auf Prävention gesetzt. Je früher vorgebeugt wird, desto wirksamer lassen sich Straftaten verhindern. In Großbritannien wird die Früherkennung möglicher Straftäter nun sogar auf ungeborene Kinder ausgeweitet.

Neugeborene und ungeborene Kinder gelten per Definition als unschuldige Wesen. An dieser Unschuldsvermutung wird in Großbritannien nun kräftig gerüttelt. Das bekannte Motto, nicht nur die Kriminalität, sondern auch die Ursachen der Kriminalität zu bekämpfen, soll dort nun auch auf den Mutterleib ausgeweitet werden.

Wie der Guardian berichtet, plane die Labour-Regierung unter Noch-Premierminister Tony Blair, schwangeren Frauen aus sozialen Randlagen ab der vierten Schwangerschaftswoche Sozialarbeiter an die Seite zu stellen, die in regelmäßigen Besuchen dafür sorgen sollen, dass der ungeborene potentielle Verbrecher nicht auf die schiefe Bahn gerät.

Stigmatisierung statt Hilfe

Was darüber entscheidet, ob ein ungeborenes Kind eine "Tendenz zur Delinquenz" zeige und als wahrscheinlicher Krimineller eingestuft wird, ist die Herkunft. Es gilt mittlerweile als gesichert, dass gewisse Lebensumstände und Familienverhältnisse Kriminalität generieren. Für die Blair-Regierung sind dies: Armut, niedriges Bildungsniveau, Arbeitslosigkeit, Elternlosigkeit sowie das Aufwachsen in sozial "schwierigen" Vierteln.

Das ganze riecht natürlich nach Vorurteilen und Diskriminierung und hat prompt den Protest britischer Bürgerrechtsbewegungen hervor gerufen, die in der angeblichen Hilfe für soziale Randgruppen nichts weiter als deren Stigmatisierung sehen.

Vorbild USA

Regierungsvertreter begegneten dem Vorwurf mit Verweis auf die USA, wo das als Verbrechensbekämpfungsprojekt deklarierte Konzept unter dem Namen Nurse Family Partnership beachtliche Erfolge erbracht haben soll.

"Es geht nicht darum, ungeborene Kinder vorbeugend als Kriminelle zu brandmarken", erklärt die Leiterin des Projekts ihr Vorhaben, "sondern nur darum, gemeinsam mit den bedürftigen Familien vorhersehbare Probleme vor ihrer Entstehung anzugehen".

Für die Startphase des für anfangs zehn "Problemdistrikte" geplante Programm hat die Regierung bereits 7 Millionen Pfund bewilligt.

Carsten Wollenweber (21.04.2007)

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