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Global denken, lokal handeln. Die Umsetzung des alten Mottos der Linken wird gerade vom Londoner Bürgermeister Ken Livingstone in Reinform vollführt. Durch einen Tauschhandel mit Venezuelas Staatschef Hugo Chávez gelingt es "Red Ken", Kommunalpolitik zu Weltpolitik zu machen.

Als der Präsident Venezuelas, Hugo Chávez, im vergangenen Jahr Großbritannien besuchte, wurde er vom britischen Premier Tony Blair nicht einmal empfangen. Wie US-Präsident Bush betrachtet auch sein Verbündeter in der Downing Street Chávez als gefährlichen Linkspopulisten, der nichts als internationale Ächtung verdient.

Ganz anders sah es in der vom Sitz des britischen Premierministers nur drei Meilen entfernten City Hall aus. Dort ließ es sich Blairs parteiinterner Rivale und Bürgermeister von London, Ken Livingstone, nicht nehmen, den Gast aus Südamerika mit allen politischen Ehren willkommen zu heißen. Das Ergebnis des langen Gesprächs der beiden wurde in der vergangenen Woche in Form eines Vertrags zwischen dem lateinamerikanischen Land und der britischen Metropole bekannt gegeben.

"Win-Win-Deal"

Darin heißt es, dass London das Benzin für seine knapp 8000 Nahverkehrsbusse von der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft Petróleos mit einem Preisabschlag von 20 Prozent beziehen darf. Der von Chávez zugestandene Sprit-Sconto entspricht einer Summe von rund 25 Millionen Euro. Im Tausch gegen den billigen Treibstoff hat Livingstone zugesagt, Caracas in Stadtentwicklung, Verkehrsplanung und Müllentsorgung zu unterstützen.

"London verfügt über unschätzbares Expertenwissen, das wird Venezuela Millionen einsparen", erklärt Livingstone das ungewöhnliche Tauschgeschäft. Zum reibungslosen Wissenstransfer soll in der venezolanischen Hauptstadt sogar ein eigenes Büro eröffnet werden.

Auch Venezuelas Außenminister Maduro ist sich sicher, dass es sich bei der Vereinbarung um einen "Win-Win-Deal" handele, der dazu beitrage, "eine multipolare Welt auf der Grundlage von Solidarität" zu schaffen.

Preisabschlag auf Monatskarte

Der solidarische Charakter des Abkommens wird dadurch unterstrichen, dass Livingstone das eingesparte Geld gänzlich an die ärmsten Bevölkerungsschichten der Stadt umverteilen will. Für insgesamt rund 250.000 sozial schwache Einwohner soll die Monatskarte für Londons extrem teuren öffentlichen Verkehrsmittel in Kürze halbiert werden.

Für Livingstone demonstriere die Abmachung daher auch die "zunehmende gegenseitige Abhängigkeit" der Länder dieser Welt, insbesondere bezüglich globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel.

"Vor diesem Hintergrund müssen vor allem die Städte eng zusammen arbeiten", führt Londons meistgeliebter und meistgehasster Bürgermeister weiter aus, "entweder retten wir den Planeten gemeinsam oder wir werden gemeinsam untergehen".

Dass Livingstone durch seinen "Win-Win-Deal" dazu beiträgt, einen von westlichen Regierungen gemiedenen Diktator salonfähig zu machen, dürfte "Red Ken" wenig stören. Vieles weist darauf hin, dass seine "Außenpolitik" derzeit beliebter ist als die seines Intimfeindes Tony Blair. Zudem zeigt die ungewöhnliche Städtepartnerschaft, dass sich auch mit Lokalpolitik trefflich global wirken lässt.

Carsten Wollenweber (26.02.2007)
Foto: Reuters