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tor_tre_teste1_150.jpgKirche hält Luft rein


Stararchitekt Richard Meier wusste, was er wollte. Für seine Jubiläumskirche in Rom bestellte der Amerikaner einen Baustoff, der "weißer als weiß" und nebenbei auch noch selbstreinigend sein musste. Vier Jahre nach Einweihung von "Dio Padre Misericordioso" gilt als gewiss, dass Meiers Gotteshaus nicht nur sich selbst, sondern die Luft in seinem Stadtviertel gleich mitreinigt.

Die Luft im römischen Außenbezirk Tor Tre Teste kann den kirchlichen Umweltschutz gut gebrauchen. Wie die ganze Ewige Stadt leidet auch die Wohnsiedlung im äußersten Osten Roms unter unversiegbaren Verkehrsflüssen mit einhergehender Feinstaubbelastung.

Nur ein strahlend weißes Gebäude hebt sich von den smoggefärbten, gräulich schimmernden Wohnblocks ab. Es ist die "Jubiläumskirche" Dio Padre Misericordioso. Der 40 Meter lange und knapp 30 Meter hohe moderne Bau sollte eigentlich zum Jubeljahr der Katholischen Kirche, 2000, fertig sein. Die vom Auftraggeber, dem Vatikan, angepeilten vier Jahre Planungs- und Bauzeit reichten jedoch nicht. Am Ende musste das 1996 in Auftrag gegebene "Jahrhundertwerk" sieben Jahre auf seine Fertigstellung warten.

Zement als Smog-Killer

Das Warten hat sich gelohnt. Heute, Jahre nach der Einweihung des Gotteshauses, merken die Vorstadtbewohner erst, was sie an ihrer neuen Kirche haben, nämlich bessere Luft zum Atmen. Die Schadstoffbelastung der Luft sei messbar zurückgegangen, berichten italienische Zeitungen.

Grund dafür sei der Spezialzement, den Foster wollte, um sein Werk in dem für seinen Stil typischen Weiß zu belassen. Dafür mischte die italienische Firma Italcementi einen Beton, der nicht nur seinen selbstreinigenden Zweck erfüllt, sondern auch den Smog der näheren Umgebung "auffrisst". Grund dafür soll das in dem photokatalytischen Zement enthaltene Pigment Titandioxid sein. Dieser Weißmacher sei in der Lage, Schadstoffe bei Sonneneinstrahlung zu Kohlenwasserstoff zu oxydieren.  Eine solch weireichende Nebenwirkung hatten sich nicht einmal die Entwickler von Italcementi träumen lassen.

Große Wirkung, geringe Mehrkosten

Nun soll der unter dem Namen Bianco TX Millenium patentierte Wunderbaustoff der ganzen Welt zugute kommen. In Bergamo, der Heimatstadt Italcementis, wurde bereits eine 1500 Meter langes Straßenteilstück probeweise mit dem Wunderbeton gepflastert. Danach seien 30 bis 40 Prozent weniger Schadstoffe gemessen worden. Zudem hat das Unternehmen errechnet, dass sein Zement in einer smogverseuchten Stadt bei nur 15 Prozent der Gebäude genutzt werden müsste, um Heizungs- und Autoabgase um 50 Prozent zu reduzieren.

Wenngleich Experten solche Schätzungen für zu optimistisch halten, gilt Photokalyse-Zement als Baustoff der Zukunft. Auch die Kosten sind verträglich. Beim Bau eines fünfstöckigen Wohnhauses fielen nur 100 Euro Mehrkosten an, sollte statt herkömmlichen Zements Bianco TX Millenium oder ähnliche auf Photokatalyse basierende Baustoffe verwendet werden.

Architekt Richard Meier ist mit seinem immerweißen Werk jedenfalls zufrieden. Schon nach ihrer Fertigstellung nannte der heute 72jährige die Jubiläumskirche den "gelungensten Entwurf" seines Lebens. Man braucht kein Kirchgänger zu sein, um Meier Recht zu geben.

Carsten Wollenweber (Rom, April 2007)

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