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loren_figlio_150.jpg"Hotel Mamma" - eine italienische Institution


Das beliebteste Hotel in Italien ist das "Hotel Mamma": Einzelzimmer mit Vollpension, Wasch- und Bügelservice sowie Putzfrau sind inklusive - und das alles kostenlos. Logisch, dass da mancher schwach wird und lieber daheim bleibt. Denn mehr als drei Viertel aller erwachsenen Italiener unter 30 Jahren leben noch bei ihren Eltern. Nun sollen sogar gesetzliche Anreize geschaffen werden, die Nesthocker zum Ausziehen zu bewegen.

Nennen wir ihn einfach mal Marco. Marco hat einen ordentlichen Job als Handwerker, verdient gut, fährt BMW, und in seiner Freizeit kickt er in einem italienischen Fußballverein. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, Italien kennt er aus dem Urlaub und dem italienischen Fernsehen, das man dank Satellit selbstverständlich zuhause empfängt. So weit, so normal.

Doch Marco zahlt keine Miete, wäscht nie, kann nicht bügeln, von kochen und putzen ganz zu schweigen. Er muss sich nicht überlegen, was er am nächsten Tag anziehen will, auch seine Sporttasche packt er nicht selbst. Das erledigen Mamma oder seine Schwester für ihn. Marco ist 30 Jahre alt. Seine Schwester ist erst 25. Sie kann allerdings waschen, bügeln, kochen und putzen - das tut sie regelmäßig, auch für ihren Bruder.

Absurd? Übertrieben? Keineswegs. Bis auf den Namen handelt es sich um einen ganz realen Fall, und dass die Familie in Deutschland lebte, war schon das ungewöhnlichste, was es über sie zu sagen gibt. Glaubt man Statistiken, dann leben fast zwei Drittel aller italienischen Frauen und Männer zwischen 25 und 29 Jahren noch bei ihren Eltern. Die meisten davon sind Männer: 67% von ihnen teilen sich mit Mamma und Papà Tisch und Wohnung. Bei den Frauen ist es nicht mal die Hälfte.

Andere Untersuchungen kommen zu noch dramatischeren Zahlen: Nach einer US-Studie wohnen in Italien sogar 80% der 18-30jährigen im "Hotel Mamma". Zum Vergleich: In Großbritannien sind es gerade mal 50%, in den USA noch weniger.

Jenseits der Klischees

Damit scheint sich wieder das alte Klischee zu bestätigen, das besagt: Weil der Italiener an sich halt ein faules, verhätscheltes Muttersöhnchen ist, lässt er sich nur zu gerne von Mamma verwöhnen, so lang es eben geht. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, zumal ja auch die Quote der daheim lebenden Frauen trotz allem nicht gerade niedrig ist. Was ist da los? Warum wollen die nicht ausziehen?

Zwei amerikanische Soziologen haben die Sache genauer unter die Lupe genommen - und sind zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen: Schuld sind keineswegs nur die faulen Kinder, sondern auch die Eltern. Die haben nun mal ihren Nachwuchs gerne um sich, und so erkaufen sie sich die immerwährende Gesellschaft ihrer Kinder durch allerlei Dienstleistungen, bisweilen auch mit Geld. Dadurch bleibt alles wie gehabt, nur dass die Kinder halt keine mehr sind. Die Forscher machen bei Italiens gluckenhaften Eltern sogar regelrechte Strategien aus, mit denen Sie die Nestflucht ihrer Brut so lange wie möglich hinauszögern.

Mangel an Studentenbuden

Zu einem großen Teil hat das Problem auch handfeste ökonomische Ursachen: Anders als in Deutschland, Großbritannien oder den USA gibt es so gut wie keine Studentenwohnheime, Mietwohnungen sind in italienischen Städten sowieso Mangelware, und die vorhandenen kosten dann Monat für Monat astronomische Summen. So richten die Töchter und Söhne Italiens während des Studiums aus rein praktischen Erwägungen zuhause ihre Studentenbude ein, danach machen sie monate- und manchmal jahrelang wie in Deutschland unbezahlte Praktika und schlecht bezahlte Einstiegssjobs, und schon nähern sie sich in rasender Geschwindigkeit dem 30. Lebensjahr.

Nachdem vergangenen Sommer im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die Vorliebe der italienischen Muttersöhnchen für das "Hotel Mamma" aufs Korn genommen hat, bewegte sich sogar die italienische Politik. Jugend- und Sportministerin Giovanna Melandri kündigte finanzielle Erleichterungen für junge Leute an, die auf eigenen Beinen stehen möchten. Mietzuschüsse und leichter zugängliche Kredite sollen Italiens Jugend nun flügge machen. Melandris Vorschläge haben auch in dem vor seiner Verabschiedung stehenden Haushaltsgesetz Eingang gefunden.

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