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Übergewicht: Europa nimmt zu
An der jüngsten EU-Statistik zur körperlichen Verfassung der EU-Bürger gibt's nichts schönzureden. Die Europäer werden einfach immer dicker. Nur sind Übergewicht und Fettleibigkeit schon lange keine Wohlstandssymptome mehr. Anlässlich einer von der Europäischen Union und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in dieser Woche gemeinsam veranstalteten Konferenz zu Ernährungsfragen in Istanbul stellte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou die neuesten Daten seiner Behörde zum Thema vor. Als besonders bedenklich bezeichnete Brüssels oberster Gesundheitshüter dabei, dass der Leibesumfang der Europäer - allen Aufklärungsbemühungen zum Trotz - weiter zugenommen hat. So sei das Durchschnittsgewicht in elf der 15 "alten" EU-Staaten in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Die höchste Gewichtszunahme verzeichneten Luxemburg (+ 2,7 kg), Dänemark (+1,7 kg) und Irland (+ 1,6 kg). In Deutschland nahmen die Menschen in diesem Zeitraum um 1,1 kg zu. Durchschnittlich wiegen deutsche Frauen und Männer damit 74,1 kg. Dies sind runde zwei Kilo über dem europäischen Durchschnittsgewicht von 72,2 kg (Männer: 78,9 kg; Frauen: 65,8 kg). Die Daten im Einzelnen Da die Deutschen mit fast 1,72 m Körpergröße jedoch auch überdurchschnittlich groß sind (Europas Mittelwert liegt bei 1,70 m) sieht es mit ihrem Body-Mass-Index (BMI) gar nicht so schlecht aus. Der Body-Mass-Index, mittlerweile ein anerkanntes Instrument zum Verständnis des eigenen Körpers, ergibt sich aus der Körpergröße geteilt durch die Quadratzahl des Gewichts. Ein BMI zwischen 18,5 und 25 wird als gesund angesehen. Zwischen 25 und 30 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Fettsucht. Mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 25,3 gelten die Deutschen zwar als leicht übergewichtig, liegen in Europa jedoch im einigermaßen beruhigenden Mittelfeld. Keinen Anlass zu Ruhe, sondern zu verstärkter Bewegung haben vor allem die Malteser. Die Inselbewohner sind mit einem Body-Mass-Index von 26,6 die dicksten EU-Bürger, gefolgt von Griechen und Finnen. Die Daten im Einzelnen Die schlanksten Europäer sind gemäß der Eurobarometer-Erhebung, bei der jeweils 1000 Menschen jedes Mitgliedslandes befragt wurden, die Italiener. Dank mediterraner Küche und starker Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Körper kommen die Italiener auf einen Body-Mass-Index von 24,3. Das Schlankheitsprimat kann Italien jedoch in Zukunft leicht verlieren, zeigt die Studie doch auch, dass die italienischen Kinder zu den fettleibigsten in ganz Europa gehören. Insbesondere mit Hilfe der Kinder- und Elternaufklärung hofft Kyprianou das Übergewichtsproblem bei der Wurzel zu packen. Das heißt in erster Linie, dass Eltern bei ihren Kindern auf eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung achten sollten. Lebensmittel, die zu viel Fett, Salz oder Zucker enthalten, sollten weitestgehend vom Speiseplan verbannt werden. Die EU-Kommission ist überzeugt, dass sich so in Zukunft Krankheiten wie Herzleiden, Bluthochdruck oder Diabetes deutlich einschränken ließen. Zur Zeit geht Brüssel davon aus, dass durch Übergewicht bedingte Krankheiten rund sieben Prozent der staatlichen Gesamtausgaben im Gesundheitswesen verursachten. (16.11.2006)
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