Sich mühende Landschaften
Europas Arbeitsmarkt gibt ein höchst uneinheitliches Bild ab. Hinter der Durchschnitts-Erwerbslosenquote von 9 Prozent verbergen sich Werte zwischen 2,4 und 33 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit übersteigt in einigen Gegenden sogar 50 Prozent.
Das "Europa der Staaten, Nationen und Regionen" kennt gewaltige regionale Unterschiede in fast allen Lebensbereichen und ganz besonders hinsichtlich Arbeit und Beschäftigung. Keinerlei Probleme, einen Job zu finden, haben gemäß neuesten Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat die Bewohner des südenglischen Dorset/Sornerset. Die Erwerbslosenquote betrug dort im vergangenen Jahr nur 2,4 Prozent. Ab einer Quote von 4 Prozent spricht man bereits von Vollbeschäftigung.
Davon können die Bewohner des polnischen Regierungsbezirks Dolnoslaskie nur träumen: mit 25 Prozent weisen sie die höchste Erwerbslosenquote der ganzen EU, abgesehen von den französischen Übersee-Départements, auf.
Aber auch die ostdeutschen Bezirke Halle und Dessau leiden unter einer Arbeitslosigkeit von rund 23 Prozent und gehören damit zu den Schlusslichtern Europas.
Hoffnungsschimmer im Osten
Immerhin stimmt der Trend in den beiden Bezirken im Osten Deutschlands: zwischen 2003 und 2004 konnte die Quote dort nämlich von 27 auf 23 Prozent gesenkt werden.
Allgemein sind die am vergangenen Freitag von Eurostat veröffentlichten Zahlen und Tendenzen jedoch eher ernüchternd. In mehr als der Hälfte (57%) der in 254 Regionen unterteilten EU stieg die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr. Da der Durchschnittswert von 9% fast unverändert blieb, bedeutet dies, dass die regionalen Unterschiede zunahmen. Das Ziel, in der ganzen Union annährend gleiche Lebensverhältnisse zu schaffen, erscheint damit ferner denn je.
Dieser Befund gilt noch stärker für die Jugendarbeitslosigkeit. Bei den 15 - 24-jährigen betragen die Unterschiede zwischen 5 Prozent (Zeeland) und gut 50 Prozent im griechischen Dytiki Makedonia.
(Oktober 2005)