Makeurope
.home
IT | FR | UK
lifestyle
Der moderne Kunstarbeiter
PhotoMike Smith ist der Mann hinter den "Young British Artists"
 
lifestyle
Franzosen lieben "Ehe light"
PhotoEingetragene Partnerschaften "Pacs" auch unter Heterosexuellen beliebt
„Die Tiere müssen transportfähig sein“150x145.jpg"Die Tiere müssen transportfähig sein"


Die EU-Landwirtschaftsminister haben sich am Montag auf strengere Kontrollen und höhere Standards bei Tiertransporten geeinigt. Verbesserungen hinsichtlich der zulässigen Dauer der Fahrten und des für die Tiere zur Verfügung stehenden Platzes konnten jedoch nicht erreicht werden.

Der nach dreijährigen Verhandlungen zu Stande gekommene Kompromiss beinhaltet vorwiegend technische Verbesserungen. So sollen Tiertransporter ab 2009 mit Satellitennavigationssystemen ausgestattet sein, um die Fahrtrouten nachvollziehen und kontrollieren zu können. Außerdem ist ab dem Jahr 2007, dem Jahr des Inkrafttretens der neuen Verordnung, eine aktive Lüftung, automatische Trinkwasserversorgung und Temperaturregelung in den Transportfahrzeugen vorgeschrieben. Auch die Ausbildung der Fahrer soll verbessert werden.

Enttäuschung bei Tierschutzverbänden

Zu der von Tierschützern seit Jahren geforderten Verkürzung der zulässigen Transportzeiten kam es hingegen nicht. Vor allem die Landwirtschaftsminister aus Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland stellten sich gegen jegliche gesetzliche Verringerung der Transportdauer.

Daher verwundert es nicht, dass die Neuregelung bei Tierschutzverbänden vorwiegend Enttäuschung auslöste. Helmut Wittmann, Sprecher der Organisation VIER PFOTEN erklärte: "VIER PFOTEN setzt sich seit Jahren für eine absolute Transportzeitbegrenzung von acht Stunden ein. Für diese aus Tierschutzsicht zentrale Forderung kam im EU-Ministerrat ein weiteres Mal keine Mehrheit zustande. Schweine und Pferde dürfen beispielsweise weiterhin 24 Stunden ohne Pause transportiert werden."

Dreistöckige Transportfahrzeuge

Neben den weiterhin erlaubten Langzeittransporten ist das zweite ungelöste Hauptproblem der Tiertransporte der wenige Platz, auf dem das Vieh während der Fahrten eingepfercht ist. Denn um möglichst viele Tiere auf einmal transportieren zu können, werden sie in bis zu dreistöckige Transporter verfrachtet. Die jeweilige Raumhöhe ist dann so gering, dass die Tiere häufig nicht einmal ihren Kopf heben können und so für die gesamte Fahrtdauer in ein und derselben Position ausharren müssen - eine verbreitete Praxis, die beim Schlachtvieh regelmäßig offene Wunden und Knochenbrüche hervorruft. Viele im Bürokratendeutsch so genannte Lebendtiertransporte enden für einige direkt Betroffene tödlich.

Zufriedene Kommission

So ist es auch schwer, die für alle EU-Staaten ab 2007 verbindlich geltende Verordnung als Fortschritt begrüßen zu können, wie es der frisch gebackene Gesundheits- und Verbraucherschutzkommissar Markos Kyprianou in einer Pressemitteilung vom Dienstag tut. Vielmehr wirft die Neuregelung ein bezeichnendes Licht auf die bisherige Rechtslage. Unter den von der EU-Kommission aufgeführten zukünftigen Verbesserungen wird beispielsweise erwähnt, dass die Tiere künftig vor dem Transport auch "transportfähig" zu sein hätten.

Da dies in der Vergangenheit offenbar nicht der Fall sein musste, kann den EU-Landwirtschaftsministern in dieser Frage zumindest nicht der Vorwurf gemacht werden, dass kein Handlungsbedarf bestand. Etwas mehr als den Tieren das Überleben auf dem Weg zur Schlachtbank zu sichern, hätte es aber schon sein dürfen.

Carsten Wollenweber (23.11.2004)