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Kein Bier zur Hauptsendezeit
Die Russen trinken nicht nur Wodka, sondern verstärkt auch Bier. In den letzten vier Jahren hat sich der durchschnittliche Jahreskonsum fast verdoppelt und beträgt schon mehr als 50 Liter pro Kopf. Ein Werbeverbot soll nun Abhilfe schaffen. Wussten Sie, dass Albert Einstein gerade eine Flasche Bier trank, als ihm seine Relativitätstheorie in den Sinn kam? Wenn nicht, brauchen Sie sich nicht zu sorgen, denn es handelt sich wahrscheinlich um ausgemachten Unsinn. Diesen und ähnlichen Unsinn sehen russische Fernsehzuschauer jedoch täglich in einem Werbespot einer bekannten russischen Biermarke. Der Tenor der meisten russischen Bierspots ist einfach auszumachen: Bier ist, wenn nicht gar leistungssteigernd, so doch zumindest nicht schädlich. Auf jeden Fall ist es das unverzichtbare Attribut aller im Leben Erfolgreichen. Die Wirklichkeit sieht anders aus: 2,2 Millionen Russen sind den Behörden als im Leben wenig erfolgreiche Alkoholiker bekannt. Im post-sowjetischen Russland sinkt die Lebenserwartung stetig und beträgt nur noch 60 Jahre. Viele Russen trinken sich schlicht und ergreifend zu Tode. Und neben dem Wodka- spielt dabei auch immer mehr der Bierkonsum eine Rolle - vor allem in der Rekrutierung der Nachwuchstrinker. In Russland, wo Bier nahezu den Status eines Softdrinks besitzt, ist die Zahl der jugendlichen Alkoholiker unter 14 Jahren in den letzten zehn Jahren von 6.300 auf 22.000 gestiegen. Russisches Bier ist stärker Gerade auf diese jungen Trinker zielt ein am Donnerstag vom russischen Parlament verabschiedetes Fernseh-Werbeverbot für Bier ab. Das Verbot gilt von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends, also während der Stunden, in denen die jungen Zecher vor dem Bildschirm vermutet werden. Außer zur Hauptsendezeit gilt das Werbeverbot auch generell für Sportsendungen. Gemäß dem österreichischen Pressedienst pte untersagt das neue Gesetz auch Bier-Reklame mit Menschen, Tieren oder Zeichentrickfiguren. Außerdem dürfen keine Botschaften mehr vermittelt werden, die etwaige positive Eigenschaften des in Russland immerhin rund 10 Prozent Alkohol enthaltenden Gerstensafts unterstreichen. Dennoch sollte die russische Regierung nicht all zu zuversichtlich bezüglich der Auswirkungen des neuen Gesetzes in die Zukunft blicken. Ein in Russland geltendes totales Tabak-Werbeverbot konnte nicht verhindern, dass die Russen Weltmeister beim Pro-Kopf-Zigarettenverbrauch sind. Carsten Wollenweber (05.08.2004)
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