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Belgien und Niederlande wollen 1- und 2-Centmünzen abschaffen
Seit Wochen beklagt sich die Bundesbank darüber, dass in Deutschland das Kleingeld, insbesondere die ungeliebten 1- und 2-Centmünzen, knapp wird. Belgien und die Niederlande gehen das Problem nun auf ganz andere Weise an: sie schaffen die Kleinmünzen kurzerhand ab. Preise von 1,99 und ähnliche im Einzelhandel nicht untypische Preisauszeichnungen werden in Belgien und den Niederlanden bald der Vergangenheit angehören. Darauf einigten sich gemäß einem Bericht des EU Observers Handels- und Verbrauchervereinigungen sowie die Zentralbanken in diesen beiden Ländern. Die Gründe für die Verbannung der kleinen Münzen liegen darin, dass sie von den Konsumenten kaum genutzt werden. Beim schnellen Bar-Zahlen an der Supermarktkasse werden "krumme" Preise selten passend bezahlt. Dadurch gelangen nur wenig 1- und 2-Centmünzen in die Kassen des Einzelhandels. Dieser muss dem Kunden jedoch das passende Wechselgeld herausgeben - wenn denn noch genug Kleingeld in der Kasse ist, denn bei dem einseitigem Münzfluss gehen die Cents schnell aus. Diese Dynamik führte in Deutschland in den vergangenen Wochen zu einer regelrechten Münzkrise, zu deren Lösung die Bundeszentralbank sogar - mit mäßigem Erfolg - bei anderen Ländern nachfragte, ob diese mal mit ein paar Cents aushelfen könnten. 90% wollen mitmachen So weit soll es bei Deutschlands belgischen und niederländischen Nachbarn nicht kommen. Ab dem 1. September ist der Handel in diesen Ländern gehalten, die krummen Preise auf die nächsten 5 Cent ab- oder aufzurunden. Obwohl das Mitmachen freiwillig ist - eine rechtlich verbindliche Münzabschaffung könnte nur von der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleitet werden - wird erwartet, dass sich mehr als 90% des Handels an die Vorgabe halten werden, so dass die Kleinstmünzen praktisch aus dem Umlauf verschwinden. Der Maßnahme ging ein äußerst erfolgreich verlaufender Pilotversuch in der niederländischen Stadt Woerden voraus. Vier von fünf Bewohnern der Stadt erklärten nach der vorübergehenden Abschaffung der 1- und 2-Centmünzen - beziehungsweise der krummen Preise, für die diese Münzen gebraucht werden -, dass sie das Kleingeld in keiner Weise vermissten und dass das Einkaufen angenehmer geworden sei. In Finnland wird bereits seit der Euro-Einführung im Jahr 2002 auf Kleinmünzen verzichtet. Auch Italien erwägt, dem finnischen und nun auch belgisch-niederländischen Beispiel zu folgen. Carsten Wollenweber (August 2004)
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