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Europäern geht das Kleingeld aus
Aufgrund der starken Nachfrage bei 1-, 2- und 5-Centmünzen ist nicht auszuschließen, dass Auszahlungswünsche von Geldinstituten und dem Einzelhandel nicht mehr vollständig bedient werden können. In einem Großteil der zwölf Länder der Eurozone gibt es Engpässe beim Kleingeldnachschub. Insbesondere in Deutschland und Belgien sei das Problem akut. In Deutschland rief am Dienstag sogar die Bundesbank Bürger und Einzelhandel dazu auf, im Laden möglichst passend zu bezahlen beziehungsweise zu akzeptieren, sollte ein Kunde seine Rechnung mit Kleinstmünzen begleichen wollen. Angespannter Stahlmarkt und unterbrochener Geldkreislauf Die Gründe für die Münzknappheit, die vor allem 1-, 2- und 5-Centmünzen betrifft, seien das Zahlverhalten der Bürger und Nachschubprobleme der Münzprägestätten. Privatpersonen würden die als Wechselgeld erhaltenen Kleinmünzen zurücklegen und nicht wieder für Zahlungen verwenden. Da zu wenig Münzen aus dem Bargeldkreislauf zurückkehrten, könnten die Banken, Werttransport- und Einzelunternehmen in den nächsten Monaten nicht mehr ausreichend mit Kleingeld versorgt werden, warnte die Zentralbank. Es gibt also nicht zu wenig Kleinmünzen, sondern nur zu wenig umlaufende Münzen, weil viele der kleinen Cents in Strümpfen, Gläsern und anderen Sparbüchsen auf ihren Einsatz warten. Doch für die europäische Münzknappheit ist nicht nur die Hort-Mentalität der Verbraucher, sondern auch die große Weltwirtschaft verantwortlich: Münzprägestätten können zur Zeit viele ihrer Aufträge nicht erfüllen, da die Lieferanten von Münzrohlingen wegen der Knappheit am weltweiten Stahlmarkt Lieferschwierigkeiten haben. Die Schwierigkeiten seien auf das starke Wachstum und daher auf eine starke Stahl-Nachfrage in China zurückzuführen. Die bereits sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt hat mit ihrer enormen Nachfrage die Preise für Öl, Rohstoffe und auch Stahl nach oben getrieben und lässt somit das Verhältnis zwischen Produktionskosten und Nennwert der kleinen Taler immer ungünstiger erscheinen. Carsten Wollenweber (09.06.2004)
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