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Bei Ebbe geht das Licht an
Strom aus Strömung gewinnen. Was in der Luft schon ganz gut funktioniert, klappt unter Wasser noch besser - und die Landschaft muss nicht einmal mit Windrädern vollgestellt werden... Gezeitenkraftwerke gibt es ja schon seit langem. Allerdings gibt es weltweit nur wenige Standorte, wie beispielsweise Flussmündungen, die für diese Form der Energiegewinnung geeignet wären. Leider waren die wenigen tatsächlich gebauten Kraftwerke dieser Art, wie das größte und bekannteste beim französischen Saint-Malò, auch noch extrem anfällig für durch die Wasserströmung verursachte Schäden und haben häufig gravierende Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem der sie umgebenden Fluss- und Meereslandschaft. Nun scheint endlich ein System technische Reife erlangt zu haben, mit dem es möglich ist, diese Nachteile zu umgehen und die unglaubliche Kraft der Gezeitenbewegungen auf völlig sichere und saubere Weise in nutzbare Energie umzuwandeln. Der Trick besteht darin, die Turbinen nicht unmittelbar an der Wasseroberfläche, sondern unter Wasser anzubringen. Strom durch Strömung Der Hauptunterschied zwischen einem herkömmlichen Gezeitenkraftwerk und einem neuartigen Unterwasserkraftwerk besteht darin, dass beim Unterwasserkraftwerk, das einem Unterwasser-Windpark sehr ähnelt, nicht der Tidenhub, also der Unterschied des Wasserstands zwischen Ebbe und Flut, sondern die durch die Gezeiten verursachten Meeresströmungen den Strom erzeugen. Da die Dichte von Wasser deutlich größer ist als die von Luft, genügt hierfür auch das eher gemächliche Tempo von Ebbe und Flut. Dies ist auch der Grund, warum die Anlage mit einem Rotordurchmesser von unter 20 Metern auskommt. Windräder dagegen messen oft 60 Meter. Eine solche Anlage wurde nun im norwegischen Hammerfest errichtet und speist seit wenigen Tagen Strom in das Versorgungsnetz des Nordsee-Hafenstädtchens. Wenn mit dem Modellversuch alles gut geht, sollen in den kommenden Jahren mehrere hunderttausend Haushalte in Norwegen mit dem Gezeitenstrom versorgt werden. "Unterwasser-Energiefarmen" in fünf Jahren "Innerhalb eines Jahres werden wir genug gelernt haben, um eine zweite Generation ins Leben zu rufen. Ich hoffe, dass es in fünf Jahren regelrechte Unterwasser-Energiefarmen gibt", sagt Projektmanager Bjorn Bekken von der Firma Hammerfest Stroem. Schon in zwei Jahren wollen die Strom-Pioniere in die Massenproduktion einsteigen. Der vergangene Woche ans Netz gegangene Prototyp erzeugt 300 Kilowatt - genug für die Versorgung von 30 norwegischen Haushalten. Die Wassermassen, die sich während der Gezeiten über den Meeresboden wälzen, treiben über die Rotoren einen Generator an, der wiederum Energie erzeugt. Die Anlage ist mit einer Stahlsäule im Meeresgrund verankert. Ein großer Vorteil der Gezeiten-Energie ist die Kontinuität, mit der das Wasser ständig in die eine oder andere Richtung fließt . Andere umweltschonende Energieerzeugungsformen wie Wind- oder Solarenergie sind hingegen stark vom Wetter abhängig. Denn richtig aufgestellt, kommt die Mühle nur für wenige Minuten am Tag zur Ruhe und zwar, wenn die Gezeiten nach zwölf Stunden kurz aussetzen. Anwendungsfelder in Deutschland Die Nutzung von Meeresströmungskraftwerken ist aufgrund der geringen Strömungsgeschwindigkeiten in der Nord- und Ostsee für den deutschen Energiemarkt wirtschaftlich noch uninteressant. Deutschlands Führungsrolle in der Windkraft könnte jedoch das nötige Know-how liefern, um in Zukunft auch aus deutscher Ebbe und Flut sprudelnde Energiequellen zu machen. Carsten Wollenweber (25.09.2003) |
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