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Wie bitte?
Sechs Prozent der Europäer gelten als gehörlos, jeder Zehnte leidet unter Schwerhörigkeit, einem der meist unterschätzten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Durch ständig wachsende Lärm- und Stressbelastung und einer immer älter werdenden Bevölkerung werden sich diese Zahlen in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Meist wird das Hörproblem jedoch unterschätzt beziehungsweise als unlösbar angesehen. Mit fatalen Folgen: Neben einer schrittweise voran schreitenden sozialen Isolation, die meist damit beginnt, dass man bei geselligen Anlässen wie Restaurant- oder sonstigen Lokalbesuchen den Gesprächen immer weniger folgen kann (Experten bezeichnen diese Hörschwäche als Cocktail-Party-Effekt), führt Schwerhörigkeit in der Regel auch zu ernsthaften Beeinträchtigungen in der Konzentrations-, Lern- und Gedächtnisfähigkeit. Eine unbemerkt bleibende Schwerhörigkeit von Kindern führt zu nicht mehr aufholbaren Rückständen in der Sprach- und damit in der geistigen Entwicklung. Es verwundert daher keineswegs, dass - wie eine britische Studie herausgefunden hat - ein Schwerhöriger im Vergleich zu einem Normalhörenden mit doppelter Wahrscheinlichkeit arbeitslos wird. Schwerhörige werden öfter vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, weil sie als begriffsstutzig empfunden werden. Manche Schwerhörige bleiben auch öfter der Arbeit fern als ihre Kollegen, sind häufiger müde und treten durchschnittlich früher in den Ruhestand. Unheilbar aber nicht unbehebbar Obwohl Hörschäden prinzipiell unheilbar sind (zerstörte Sinneszellen können nicht wieder hergestellt oder nachgebildet werden), lässt sich jedoch ein Großteil dieser Probleme mittels moderner Hörgeräte lösen, besonders die jüngste Generation digitaler Hörhilfen-Technologie kann beachtliche Erfolge vorweisen. Diese Hörgeräte sind mittlerweile auch so winzig dass sie eine unauffällige Lösung des Schwerhörigkeitsproblems darstellen. Dennoch sucht nur jeder fünfte Hörgeschädigte professionelle Hilfe beim Ohrenarzt. Die meisten Betroffenen suchen den Arzt erst auf, nachdem sie sieben Jahre lang das Problem verdrängt haben. Warum nur? Neben dem Irrtum, dass es sich mit einem Hörschaden durchaus ganz gut leben lässt (der Fernseher lässt sich ja lauter stellen), lässt sich hierzu auch sagen, dass die Vorurteile gegenüber Hörgeräten immer noch gewaltig sind. Während unsere Seh-Hilfen, die Brillen, mittlerweile zum modischen Accessoire aufgestiegen sind und wohl von niemandem mehr mit Scham getragen werden, gilt ein Hörproblem immer noch als eine zu versteckende Behinderung. Mangelnde gesellschaftliche Information führt dazu, dass Schwerhörigkeit als ein reines Altersproblem betrachtet wird, das es keineswegs ist. Das Vorurteil verursacht bei den Betroffenen Schamgefühle, die wiederum dazu führen, dass auf die Hilfe eines Hörgeräts - und damit in den meisten Fällen auf die Lösung des Problems - verzichtet wird. Vorreiter Dänemark So trauen sich in Deutschland meist nur wenige Menschen, zu ihrem Hörgerät zu stehen. In Dänemark hingegen, dem Vorreiter auf dem Gebiet der audiologischen Forschung, haben viele Aufklärungskampagnen der weltweit führenden dänischen Hörgerätehersteller einen beachtlichen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung bewirkt. "Es gibt einen großen Informationsbedarf, nicht zuletzt bei Freunden und Verwandten, die oft nicht wissen, wie sie dem Schwerhörigen helfen können", sagt Anne Jorvad vom Kopenhagener Hörgerätehersteller Widex, auf dessen Internet-Website daher ein ganz besonderer Teil gerade diesen Problemen, dem psychosozielem Aspekt der Schwerhörigkeit gewidmet ist. Daneben bietet die Website eine durchaus beeindruckende "virtuelle Reise durch das Ohr", Erfahrungsberichte und eine lückenlose Enzyklopädie mit allgemein verständlichen Informationen für alle, die unter Hörproblemen leiden. Dies gilt auch für Partner und Familienangehörige von Hörgeschädigten, denn das Hörproblem ist immer auch ein Familienproblem und nicht selten sind es genau Angehörige und Partner, die Schwerhörige auf ihr Leiden aufmerksam machen und so zur Lösung beitragen. Hör- und andere Hilfen Nur ein ehrlicher und unkomplizierter gesellschaftlicher Umgang mit Hörproblemen ermutigt die von Schwerhörigkeit Betroffenen, sich um eine Lösung ihrer Schwierigkeiten zu bemühen und so die Chance zu erhalten, ein erfülltes und normales Leben zu führen. Die Ermöglichung eines normalen Lebens für Schwerhörige ist auch das oberste Ziel des Deutschen Schwerhörigenbunds, auf dessen Internet-Seite eine Liste mit Büchern zum Thema zu finden ist. Die Website bietet außerdem einen Chatroom, eine Liste deutscher Kinos, in denen Filme mit Untertiteln laufen und die Möglichkeit, am virtuellen Pinboard Fragen anzuheften. Und selbstverständlich findet man auch alles über Hörgeräte und weitere Möglichkeiten, dem Problem der Schwerhörigkeit technologisch zu begegnen.Der erste und schwerste Schritt ist jedoch, sich dem Problem zu stellen und einen fast immer kostenlosen und im jeden Fall völlig schmerzfreien Hörtest zu machen. Der heutige Stand der audiologischen Forschung ermöglicht es dann, in fast allen Fällen die Hörfähigkeit und damit die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu erhöhen. Denn - um es mit den Worten eines Branchenslogans auszudrücken - "das Leben ist es wert, gehört zu werden". Stefania Baldassarri
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