Battle Group schlägt erste Schlacht: Löwenpenis abgeschnitten
Noch mussten die 2004 ins Leben gerufenen EU-Kampftruppen, so genannte Battle Groups, nicht ins Feld ziehen. Gekämpft wird derweil für Frauenrechte. So haben schwedische Soldatinnen mit einer Klageandrohung vor dem Europäischen Gerichtshof erreicht, dass die deutlich sichtbaren Genitalien des Löwens auf dem Wappen der nordischen Einheit entfernt werden.
"Wir haben Anweisung gegeben, dass der Löwenpenis schnellstens von allen Uniformen und Kampfanzügen der schwedischen Battle Group-Angehörigen verschwindet", zitiert die Tageszeitung Goteborgs Posten in dieser Woche den Sprecher des "Traditionskomitees" der schwedischen Armee, Christian Braunstein.
Dass es nun, rund zwei Jahre nachdem die aus Einheiten Schwedens, Norwegens, Finnlands, Irlands und Estlands bestehende "Nordische Battle Group" samt Wappentier aus der Taufe gehoben wurde, doch noch zur Löwenkastration gekommen ist, liegt jedoch weniger an der Sensibilität des Traditionskomitees als vielmehr an der Klage, die der Schlachtgruppe vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) drohte. An den hatten sich einige schwedischen Soldatinnen gewandt, um die in ihren Augen frauendiskriminierende beziehungsweise obszöne Darstellung als Verletzung der Geschlechtergleichheit zu brandmarken.
"Kraftvolles und stattliches Symbol"
Nun bleibt es, man ist fast geneigt zu sagen leider, offen, wie sich der EuGH zu dieser Frage geäußert hätte. Außer sich vor Enttäuschung ist hingegen der Designer des Wappens, der Heraldiker Vladimir Sagerlund: "Ein Wappenlöwe ist ein kraftvolles und stattliches Symbol mit intakten Genitalien", schimpfte er im Gotenborgs Posten, "die Beschneidung des Löwenbilds ist daher ohne mein Einverständnis erfolgt. Leider versteht die Armee nichts von Wappenkunde, sonst wüsste sie, dass in der schwedischen Geschichte penislose Wappenlöwen nur von denjenigen getragen wurden, die die Krone verraten hatten".
Dass sich die Zeiten geändert haben, mussten vor dem Wappenkundler auch bereits die finnischen Waffenbrüder der schwedischen Battle Group-Angehörigen zu Kenntnis nehmen. Einige von ihnen wurden Anfang des Jahres von höchster Stelle gerügt, weil sie gegenüber schwulen schwedischen Soldaten bei gemeinsamen Truppenübungen ein "diskriminierendes und beleidigendes Verhalten" an den Tag gelegt hätten. Die Vorfälle wurden von der schwedischen Vereinigung für Homo-, Bi- und Transsexuelle im Militär an Verteidigungsminister Mikael Odenberg getragen, der wiederum seinen finnischen Amtskollegen auf die Fälle aufmerksam machen sollte.
An Schlagfertigkeit mangelt es zumindest der nordischen Battle Group, eine von insgesamt 13 "schnellen EU-Eingreiftruppen", die als Keimzelle einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik konzipiert wurden, also keinesfalls. Nur der Truppenmoral muss eben manchmal etwas nachgeholfen werden.
Carsten Wollenweber (14.12.2007)
Foto: Goteborgs Posten