Franzosen lieben "Ehe light"
Am Anfang, Frankreich schrieb das Jahr 1999, wurde der so genannte Pacs (Pacte civil de solidarité), also eine zivilrechtlich wirksame eingetragene Partnerschaft, in erster Linie für homosexuelle Paare eingeführt. Diesen ist die traditionelle Eheschließung, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland, ja weiterhin untersagt. Zahlen zeigen jedoch, dass die Pacs vor allem von heterosexuellen Partnern geschlossen werden, die die einst als "Ehe light" verspottete Lebensgemeinschaft der traditionellen Ehe vorziehen.
Wie die Pariser Zeitung Le Monde mit Berufung auf Daten des Justizministeriums berichtet, wurden im vergangenen Jahr 93 Prozent aller Pacs von heterosexuellen Paaren geschlossen, während der Anteil lesbischer oder schwuler Paare von 40 Prozent im Jahr der Pacs-Einführung auf nun nur noch 7 Prozent geschrumpft ist. Der Rückgang der Homoquote liegt freilich nicht daran, dass die Pacs in der Schwulenszene "out" geworden sind. Vielmehr ist es die exponentiell gestiegene Nachfrage unter Heterosexuellen nach den Pacs, welche den Anteil der Homosexuellen hat sinken lassen.
So wurden 2006 bereits 77.000 Pacs registriert. Dies entspricht einem Viertel aller in Frankreich geschlossenen gesetzlichen Partnerschaften, Ehen also eingeschlossen. Da die Beliebtheit der Pacs jedoch kontinuierlich zunimmt (20 Prozent Jahr für Jahr seit ihrer Einführung) ist nicht einmal ausgeschlossen, dass die Pacs die Ehe bald als beliebteste Form der heterosexuellen Partnerschaft ablösen könnten.
Ausnahme ewige Liebe
In Deutschland dürfte die Nachfrage nach einem Partnerschaftsvertrag statt eines Eherings kaum geringer ausfallen. Bereits die eher belustigte als empörte öffentliche Reaktion auf Gabriele Paulis Vorschlag, Ehen zeitlich zu begrenzen (die bayrische Landrätin eckte damit eigentlich nur in ihrer eigenen Partei, der CSU, an), lässt erahnen, wie es um die Institution der Ehe in modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften mittlerweile bestellt ist. Ein weiterer Blick auf die hohe Scheidungsrate könnte auch die letzten Romantiker überzeugen, dass ewige Liebe eher Ausnahme als Regel ist.
Dies gilt freilich gleichermaßen für die Ehe wie für die französischen Pacs: die Trennungs- beziehungsweise Scheidungsrate von in Ehe oder in Pacs zusammenlebenden Menschen ist gemäß Le Monde exakt gleich hoch, nämlich 18 Prozent (der Prozentsatz gilt für alle seit November 1999, dem Einführungsdatum der Pacs, von Heterosexuellen geschlossen Ehen oder eingetragenen Partnerschaften).
Hieraus lässt sich schließen, dass die "Ehe light" nur weil sie leichter geschieden werden kann, nicht unbedingt häufiger geschieden wird als die traditionelle Ehe. Ein wichtiges Argument ihrer Gegner fällt mithin weg. Werden auch in Deutschland bald heterosexuelle Paare "Gleichstellung" mit Homosexuellen fordern und "Pacs für alle" verlangen?
Carsten Wollenweber (11.10.2007)