Klimaschutz - Vatikan wird Waldbesitzer
Bisher galten Costa Rica und Norwegen als Vorreiter in Sachen staatlicher Klimaschutz. Die Regierungen beider Länder haben angekündigt, bis zum Jahr 2021 beziehungsweise 2050 eine ausgeglichene CO2-Bilanz aufzuweisen. Das Primat des "umweltfreundlichsten Staates der Welt" müssen sie nun aber abgeben. Der Vatikan kann sich bereits seit vergangener Woche als CO2-neutral bezeichnen.
Wie die italienische Zeitung la Repubblica berichtet, war es dafür immerhin nötig, fünfzehn Hektar Wald zu pflanzen. Die sollen in den nächsten 100 Jahren rund 7.500 Tonnen Kohlendioxid und damit etwa den CO2-Jahresausstoß des Heiligen Stuhls absorbieren.
Für das imagewirksame Umwelt-Etikett reichte den Schöpfungsbewahrern im Katholikenstaat ein Griff in den Klingelbeutel. Die Verschmutzungsrechte aus dem Abgas-Ablasshandel wurden den Kirchenoberen nämlich von zwei im Bereich Klimazertifizierung tätigen Firmen gespendet, die US-amerikanische Planktos Inc sowie die Klimafa aus Ungarn.
Dort, in Ungarn, steht nun auch der "Vatican Climate Forest", ein nur "kleiner Schritt" in Richtung Klimaschutz, wie auch Paul Poupard, Vorsitzender des Päpstlichen Kulturkonzils, zugeben musste. Euphorischer äußerte sich da schon Radio Vatikan, das den Kirchenstaat gleich als "CO2-frei" erklärte, obwohl dieser "seinen - ohnehin geringen - CO2-Ausstoß nicht auf Null fahren" könne.
Das Rennen um dieses wahre Klimaziel - Reduzierung auf Null statt Kompensation - bleibt also weiterhin offen. Der Vatikan ist jedoch einmal mehr gut aufgestellt: So wird die im Winter für die päpstlichen Generalaudienzen genutzte Aula Nervi bereits mit Sonnenkollektoren beheizt, das Papamobil fährt ohnehin schon emissionsfrei, und wenn es ums Ganze geht, ließen sich auch noch die Vatikanischen Gärten aufforsten. Bis dahin sorgt ein Wäldlein in Ungarn dafür, dass zumindest die 780 Vatikaneinwohner mit ihrem Umweltgewissen vorläufig im Reinen sind.
Carsten Wollenweber (Rom, 11.09.2007)