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Katzenfell in Rheumadecken?
Die grauenvolle Szene spielt in Belgien. Vor laufenden BBC-Kameras zeigt ein Pelzhändler eine Decke, die seiner Meinung nach aus dem Fell einer Katze gefertigt wurde. Für das englische Staatsfernsehen ist dies der Beweis, dass es in Europa Tierhaltungen gibt, die nur dazu dienen, das Fell der in ihnen gefangenen Haustiere zu verarbeiten. Sollte der BBC-Verdacht der Wahrheit entsprechen, wäre die EU-Kommission der Falschaussage überführt. Diese behauptete nämlich jüngst, dass diese Form der Haustierausbeutung weder in der EU noch in den Kandidatenländern existieren würde. Es wurde lediglich eingeräumt, dass Fälle von Hunde- und Katzenhäuten bekannt seien, die aus Drittländern in die EU eingeführt wurden. Tierschutzorganisationen gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der in Europa gehandelten und verarbeiteten Hunde- und Katzenfelle jedes Jahr in die Zigtausende geht. Die Katzenhaardecken sollen sich besonders gut als Rheumadecken eignen. Doch in den seltensten Fällen wissen ihre meist betagten Käufer, dass ihr Wärmgegenstand aus dem Mantel unseres beliebtesten Haustieres gefertigt wurde. Denn die Herstellerfirmen tun alles, um die Käufer über die Herkunft der von ihnen verwendeten Felle im Dunkeln zu lassen. Da sich die Verbraucher in dieser Frage jedoch als noch nicht besonders kritisch erweisen, reicht es in der Regel aus, beispielsweise den lateinischen Namen der benutzten Hunde- oder Katzenrasse ins Etikett zu schreiben, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Die amerikanische Tierschutzorganisation HSUS (Human Society of the United States) behauptet, Beweise dafür zu haben, dass in Deutschland, Frankreich und Italien Handel dieser Art betrieben wird. Auch Namen werden genannt: so soll die Ski-Firma "Tecnica" in den 90er Jahren aus China importiertes Hundefell für die Fütterung ihrer Ski-Stiefel gebraucht haben. Auf europäischer Ebene scheint gegen diese Form der Tierausbeutung und -Tötung nicht viel zu machen zu sein. Die Kommission erklärte ihre Nicht-Zuständigkeit und reichte die heiße Kartoffel damit an die Mitgliedstaaten weiter. Einfuhrverbote wären Sache der einzelnen Mitgliedsländer heißt es in Brüssel hierzu. Bisher hat nur Italien ein solches Verbot erlassen, nachdem herauskam, dass eine der größten Kaufhausketten des Landes die in diesem Winter in Mode gewesenen Mäntel mit Kapuzenfellrand in Fernost erstanden hat und dass für die Herstellung eine Unzahl unserer vierbeinigen Freunde ihr Leben lassen musste. Carsten Wollenweber (Mai 2003)
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