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korken.jpgWenn Knackis keltern: Die Gefängnisweine von Velletri


Der Wein darf raus, die Erzeuger nicht: Im Gefängnis von Velletri bei Rom stellen die Gefangenen ihren eigenen Wein her und vertreiben ihn über Supermärkte. Längst ist der Knastwein zum Geheimtipp unter Weinkennern geworden, etwa 45.000 Flaschen davon werden jährlich hinter den Gefängnismauern produziert.

Das Städtchen Velletri vor den Toren Roms ist für zwei Dinge bekannt: Für den ausgezeichneten Weißwein, der in dieser Gegend angebaut wird, und für das örtliche Gefängnis, in dem um die 350 Menschen einsitzen, meist wegen kleinerer Delikte.

Diese Vollzugseinrichtung ist in den letzten Jahren zu einiger Berühmtheit gelangt. In einer anstaltseigenen Weinkellerei produzieren nämlich etwa zwei Dutzend Gefangene hinter Gittern edle Tropfen. Da bekommt die Bezeichnung "Denominazione di origine controllata" ("Kontrollierte Herkunftsbezeichnung", DOC) eine völlig neue Bedeutung. Denn recht viel kontrollierter als hinter Stacheldraht und hohen Mauern mit ständiger Videoüberwachung kann ein Wein nicht hergestellt werden.

Mit dem DOC-Siegel können sich die Gefängnisweine zwar noch nicht schmücken - aber unter Kennern gelten sie als ausgezeichnete Tropfen.

Vorbereitung auf das Leben in Freiheit

Dabei war alles nur ein Zufall. Jahrzehntelang hatten in Italien Gefangene eigentlich nur ein Schicksal vor Augen: Sie wurden in überfüllte Gefängnisse möglichst fern der Heimat und möglichst weit weg von anderen menschlichen Ansiedelungen verbannt. Besonders oft befanden sich diese Einrichtungen auf einsamen Inseln oder in unbewohnten Bergregionen, fernab der Zivilisation. Dort vegetierten die Häftlinge jahrelang in überfüllten, winzigen Zellen vor sich hin. Seit einigen Jahren ändert sich diese Situation allmählich.

Die italienische Justiz bemüht sich darum, Gefangene während der Haft auf das Leben danach vorzubereiten. Sie sollen wieder zurück finden in die Gesellschaft. So werden ihnen hinter Gittern allerlei Beschäftigungen angeboten, die sie auf das Leben draußen vorbereiten sollen. Manchmal sind das Theatergruppen, manchmal Poesie-Workshops, manchmal handwerkliche Arbeiten.

Weiter zu Teil 2: Weinanbau statt Inselhaft