Finnen finden Cent-Münzen zum Wegwerfen
"Geldfetischismus ist uns fremd", sagt Finnlands Finanzstaatssekretär Pertti Rauhio. Daher erleichtern die Finnen ihre Geldbeutel, indem sie die dort lagernden Kleinstmünzen einfach wegwerfen. Kaufen könnten sie sich davon ohnehin nichts.
Das Hochpreisland Finnland hat die Ein- und Zwei-Cent-Münzen von Anfang an nicht gemocht. Als einziges Euroland verzichtet die finnische Zentralbank seit der Euro-Einführung im Jahr 2002 auf die massenhafte Prägung des ungeliebten Hartgelds. "Das hat bei uns einfach keinen Wert", erklärte Finnlands Staatssekretär Rauhio anlässlich des Beginns der finnischen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli gegenüber Journalisten die finnische Geldwegwerfmentalität.
Bei diesen Worten dürften die Notenbankchefs in den anderen elf Ländern der Eurozone aufhorchen. Es ist noch zu gut in Erinnerung, wie vor fast genau zwei Jahren in Deutschland und vielen anderen Euroländern auf einmal das kleine Münzgeld knapp wurde und die Bundesbank im Ausland nachfragte, ob man ihr mit ein paar Cents aushelfen könnte.
Kleingeld ist Wechselgeld
Grund waren der damals extrem hohe Stahlpreis, der zu Prägungsengpässen führte, und das Zahlverhalten der Verbraucher. Die meisten von diesen lieben das Geld mit geringstem Nennwert nämlich genauso wenig wie die Finnen. Statt es wegzuwerfen, ziehen sparsamere deutsche Konsumenten jedoch in der Regel vor, das bronzefarbene Kleingeld zu horten und jahrelang in große Gläser zu stecken. Das so dem Bargeldkreislauf entzogene Münzgeld fehlt dann jedoch im Einzelhandel, wo es als Wechselgeld gebraucht wird.
Um zu verhindern, dass Geld weggeworfen beziehungsweise gehortet und vergessen wird, wäre es sinnvoll, das Kleinstgeld vollends zu verbannen. Dies ginge jedoch nur unter einer Bedingung: die gerade in Supermärkten üblichen "krummen" Preise wie 1,99 Euro müssten verschwinden.
Wege aus der Kleingeldkrise
Dies ist der Weg, den Belgien und die Niederlande gegangen sind, als während der "Kleingeldkrise" vor zwei Jahren die Ein- und Zwei-Euromünzen in diesen beiden Ländern langsam ausgingen. Verbrauchervereinigungen und Zentralbanken appellierten damals an den Handel, krumme Preise auf die nächsten 5 Cent ab- oder aufzurunden. Der Großteil des Handels folgte dem Appell, so dass die Kleinstmünzen in Belgien und den Niederlanden zunehmend aus dem Umlauf verschwanden und das Leben von Verbrauchern und Supermarktkassierern erleichtert wurde.
In Deutschland vorgebrachte Vorschläge, dem belgisch-niederländischen Vorstoß zu folgen, scheiterten am Widerstand des Einzelhandels. Dort sind die krummen Cent-Beträge sehr beliebt, gelten sie doch als wichtige Instrumente, um einen Preis geringer erscheinen zu lassen als er eigentlich ist. Denn außer im Hochpreisland Finnland und in den pragmatischen Niederlanden und Belgien sind Handelsunternehmen nun einmal per Definition Geldfetischisten.
Carsten Wollenweber (06.07.2006)