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hundeschnauze_sq.jpgHunde-Notstand in Bukarest


"Hund beißt Mann" gilt als die klassische Nicht-Meldung. Anders sieht es aus, wenn die Sache tödlich endet - zuerst für den Mann und dann für tausende von Artgenossen des zubeißenden Vierbeiners.

Streunende Hunde gehören in Bukarest zum Stadtbild. Schätzungen schwanken zwischen 50.000 und einer Viertel Million herrenloser Tiere. Es muss als "natürlich" betrachtet werden, dass es bei einer solch hohen Anzahl der sich selbst überlassenen vierbeinigen Großstadtbewohner auch zu Angriffen kommt. So werden Jahr für Jahr im Schnitt etwa 6000 Attacken von Straßenhunden gezählt.

Zu Wochenbeginn kam es sogar zu einem tödlichen Zwischenfall. Wie das rumänische Fernsehen berichtet, starb ein 68-jähriger Mann, nachdem ihn ein Hund in der rumänischen Hauptstadt mehrfach ins Bein gebissen hat und dabei eine Schlagader durchtrennt wurde.

Verkürzte Gnadenfrist

Nach der tödlichen Attacke will die Stadt nun härter gegen die herrenlosen Tiere vorgehen. Die bereits seit Anfang der 90er Jahre eingesetzten Hundefängertrupps sollen verdoppelt werden, sagte der Bürgermeister von Bukarest, Adriean Videanu. Nun sollen die eingefangenen Hunde jedoch nicht mehr wie bisher 14 Tage am Leben gelassen, sondern schon nach drei Tagen getötet werden, falls sich kein Interessent für sie meldet.

Tierschützer protestieren gegen die Entscheidung, dürften jedoch in der aufgeheizten Atmosphäre nach der sich gemäß Medienberichten "auf offener Straße" zugetragenen Biss-Attacke nur wenig Gehör finden.

Erblast des Ceaucescu-Regimes

Das Schicksal rumänischer Straßenhunde beschäftigt mehrere deutsche wie internationale Tierschutzorganisationen bereits seit Jahren. Im Internet können Sympathisanten in Online-Petitionen gegen den "barbarischen Hundemord" protestieren. Zur Reduzierung des Straßenhundebestands wird stattdessen die flächendeckende Kastration eingefangener Hunde gefordert. Denn über eines sind sich alle einig: das massenhafte Hundeleben auf Bukarests Straßen muss eingedämmt werden.

Dass es überhaupt soweit kam, könnte als eine Erblast des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu bezeichnet werden. Dieser befand in den 80er Jahren, dass die historische Altstadt Bukarests nicht in sein Bild des neuen Sozialismus passe.

Kurzerhand ließ er ein Fünftel des Stadtkerns abreißen und beraubte damit auf einen Schlag 70.000 Menschen ihres Wohnsitzes. Menschen und ihre Haustiere blieben im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße zurück. Die Zahl der auch dort gebliebenen Hunde steigerte sich in den Jahren beträchtlich. Und mit jeder neuen Generation passten sie sich besser an ihren neuen Habitat an. Heute heißt es, dass sich mehrere Rudel von ihnen die Stadt "aufteilten".

In dieser Situation dürfte die Meldung "Hund beißt Mann" zumindest in Rumänien auch in Zukunft weiter für Gesprächsstoff sorgen.

Carsten Wollenweber (31.01.2006)

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