Schutz polygamer Lebensgemeinschaften
Die im September im schwedischen Örebro formell als Partei gegründete Feministische Initiative (FI) will 2006 bei den Wahlen zum schwedischen Reichstag antreten. Originellster Programmpunkt der "Frauenpartei", der auch Männer angehören: die Ausweitung der Ehe auf Lebensgemeinschaften, die aus mehr als zwei Personen bestehen.
Die Kirchenoberen haben es immer geahnt: eine Ausweitung der Ehe auf homosexuelle Paare würde langfristig die Institution der Ehe als Ganzes bedrohen. Der einfache Grund dafür liegt darin, dass sich die schier unbegrenzten Formen des liebevollen Zusammenlebens keinesfalls nur auf heterosexuelle oder homosexuelle Paare reduzieren lassen - sie lassen sich nicht einmal auf Paare reduzieren.
Vor diesem Hintergrund kann der Gründungsclou der neuen schwedischen Partei "Feministische Initiative" (FI) nur als konsequentes Weiterdenken der Krise der klassischen Ehe gelten. Die FI hält sich in ihrem provisorischen Wahlprogramm nämlich gar nicht mit Forderungen nach "Schwulen-Ehen" oder Ähnlichem auf, stattdessen strebt sie gesetzliche Regeln für völlig offene Formen des freiwilligen Zusammenlebens von zwei oder mehr Personen ungeachtet des Geschlechts an.
Gute Umfragewerte
"Die Geschichte der Ehe handelt ja nicht von Liebe und Zusammenleben, sondern von Besitz", fasste Parteimitgründerin Tiina Rosenberg in der Zeitung "Svenska Dagbladet" ihre Sichtweise in wenig romantischen Worten zusammen. In diesem Sinne wäre es auch geboten, den Vertragscharakter der Eheschließung über ihre romantischen und bekanntermaßen häufig nicht sehr dauerhaften Aspekte zu stellen.
Allgemein will die neue Partei, der von Meinungsforschern bis zu 20 Prozent bei den kommenden Reichstagswahlen zugetraut werden, für gleichen Lohn bei gleicher Tätigkeit sowie gegen die Dominanz von Männern im öffentlichen Leben wirken. Auch die schärfere Bestrafung von Sexualverbrechern, die Aufenthaltsbewilligung für im Land lebende Flüchtlinge sowie die Abschaffung der schwedischen Monarchie stehen gemäß Medienberichten vom Parteigründungskongress auf dem FI-Programm.
Zur Vorsitzenden wurde auf dem Gründungskongress mit großer Mehrheit die landesweit bekannte ehemalige Linkspartei-Chefin Gudrun Schyman gewählt.
Carsten Wollenweber (Dezember 2005)