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bigbenbynight_sq.jpgLetzte Metro statt Last Order


Ab Donnerstag müssen englische Pubs nicht mehr, wie seit fast 100 Jahren, um 23 Uhr schließen. Ausgerechnet durch die Aufhebung der Sperrstunde versucht die Regierung, das Problem Alkohol in den Griff zu bekommen.

Länger, aber weniger. So könnte das Motto lauten, mit dem Tony Blairs Labour-Regierung die Trinkgewohnheiten der Inselbewohner ändern möchte. Die bis Donnerstag vorherrschende Pubkultur lässt sich dagegen eher mit "zu viel und zu schnell" zusammenfassen.

Kampftrinken gegen die Uhr

Der Druck, sich kurz vor Toresschluss noch möglichst schnell möglichst viele Drinks hinter die Binde zu schütten, war eine der ungewünschten Auswirkungen der in der Vorwoche vom britischen Unterhaus abgeschafften Sperrstunde. Die strikte Regelung hatte zur Folge, dass mit einem Schlag sämtliche Pubbesucher auf die Straßen strömten und entweder nach Hause gingen oder ihr Glück in einem Club oder einer Diskothek versuchten, wo sie weitertrinken konnten.

Das hohe Menschenaufkommen auf den Straßen und der hohe Alkoholgehalt im Blut der Kneipengänger führten dann des öfteren zu handgreiflichen Auseinandersetzungen oder ähnlich unschönen Auswüchsen nord- und mitteleuropäischer Feierkultur.

Gestreckte Last Order

Ob sich diese Auswüchse jedoch durch die Möglichkeit des Rund-um-die-Uhr-Zechens eindämmen lassen, sei vorläufig dahingestellt. Das britische Gesundheitsministerium argumentierte bei seinem von der konservativen Opposition abgelehnten, von Pub-Besuchern jedoch euphorisch begrüßten Vorstoß damit, dass bei längeren Öffnungszeiten nicht wie wild bis zur "last order" (letzte Runde) getrunken werde, sondern entspannter, zwar länger, aber im Endeffekt weniger.

Durch diese Streckung würde es dann auch nicht mehr zu Massenversammlungen auf den Straßen kommen, da die Pubbesucher nicht mehr gleichzeitig, sondern über einige Stunden verteilt, die Kneipen verlassen würden.

Giorgio, ein in London ansässiger Italiener, ist sich jedoch sicher, dass der Massenauflauf nach 23 Uhr auf den Straßen der britischen Hauptstadt eher mit der wenig später abfahrenden letzten Metro als mit der letzten Kneipenrunde zu tun habe: "Die Leute fangen doch schon um 5 Uhr nachmittags mit dem Gebecher an. Um 11 Uhr abends haben die meisten sowieso genug und wollen nur noch mit Bus oder Bahn nach Hause - ob mit oder ohne Sperrstunde."

Carsten Wollenweber (24.11.2005)

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